#FAKE Update: Kumaré The True Story Of A False Prophet


Eine Filmempfehlung.

Der US-Amerikaner Virkam Gandhi wollte eigentlich einen Film über die Spirituelle Seite der Yoga Szene in den USA machen. Inspiriert von den Menschen, die dort ihr (Un)Wesen trieben, entschloss er sich zu schauen, ob sie ihn als Guru akzeptieren würden.

Eine unglaublich spannende Doku über ein Experiment, das aus dem Ruder läuft.

Gandhi nannte sich Kumaré, kopierte den indisch-amerikanischen Akzent seiner Großmutter, erfand seine eigenen Yogaposen and off he went
Im Laufe des Films sieht man, wie er seine eigene Philosophie entwickelt. Er findet Menschen, die ihn als seinen Guru akzeptieren, sie glauben an ihn und ich meine – ihr Glaube verändert ihn.
Er entwickelt sich zu einem Guru, dessen Botschaft ist: Du brauchst keinen Guru, alle Antworten sind in dir. Du bist genug.
Mit seiner Botschaft und seiner Art hilft und inspiriert er seine Anhänger*innen – und kämpft selbst mit ihrem echten Glauben in ihn, den falschen Guru.

Er täuscht sie, doch er teilt in dieser Täuschung auch seine Wahrheit mit ihnen.

Am Ende des Films enttarnt er sich, er legt die Rolle des Kumaré ab und zeigt sich als gebürtiger US-Amerikaner Vikram Gandhi, rasiert, mit neuem Haarschnitt und ganz ohne Akzent.

Wie reagieren seine Jünger*innen?
Sorry, kein Spoiler. Film anschauen!

Wie würde ich auf diese Täuschung reagieren?
Wie würdest du auf diese Täuschung reagieren?

Eine Täuschung, die nachweislich geholfen hat. Die Jünger*innen haben sich nachhaltig verändert, ihr Leben hat sich aufgrund des Glaubens an diesen Guru zum besseren verändert.
Doch sie wurden getäuscht, keine Frage.

Es ist schon spannend wie komplex dieses Leben ist.

shattering beliefs. #Gurus

Natürlich geht es bei FAKE auch darum Menschen an etwas glauben zu lassen. Doch warum das Rad neu erfinden? Ab zu den Profis des Glaubens: Gurus.

Corona verwehrt mir den Weg zu Sekten und Gurus, aber ich finde the next best thing: Die Bundesstelle für Sektenfragen im 1. Bezirk in Wien. Doch auch dort darf ich nicht hin. Aber ich werde prompt zurück gerufen und bohre die arme Dame mit meinen Fragen:

Was treibt Menschen in die Arme von Sekten?
Wie schaffen es Menschen Sekten wieder zu verlassen?

Frau Mag. Schiesser bestätigt, was ich ohnehin schon glaube, aber sie überrascht mich auch. Diese Frau ist ein Wahnsinn. Und sie hält auch Vorträge bei Skeptiker Organisationen. Was will man mehr.

Erste Lektion.

Zunächst mal ist es besser, wenn man statt ‘Sekten’ ‘Weltanschauungen’ sagt. Welt-an-schau-ungen. Was für ein Wort.

Menschen wollen verstehen und Weltanschauungen ticken viele Boxen: Sie geben Sicherheit, sie geben Zugehörigkeit zu einer Gruppe, oft haben sie einen elitären Anspruch (“Wir sind die besten, denn wir haben die Wahrheit…”) und grenzen sich damit von anderen ab (von denen “die Masken tragen” oder denen “die keine Masken tragen”).

Was ich nicht wusste: Terroristische Organisationen sind oft wie klassische Sekten, sorry Weltanschauungen, aufgebaut. Es gibt einen Guru mit einem absoluten Machtanspruch, oft ist er ein Vater oder Mutterersatz. Der führt seine Schützlingen Schritt für Schritt an die unglaublichsten Orte.

Zweite Lektion. Ein neuer Titel für FAKE: Lass mich dein Daddy sein.
Wir werden sehen.

Wie schaffen es Menschen, Sekten wieder zu verlassen?

Jede Weltanschauung hat ihren Preis. In schlechten Weltanschauungen wird kritisches Denken nicht gern gesehen, meist werden kritische Stimmen ausgeschlossen, du selbst wirst von Familie und Freunden abgekoppelt und musst einige Dinge ignorieren: Vielleicht ist dein Guru ein Weiberheld, wahrscheinlich zahlt er keine Steuern und pinkelt auf die Klobrille.

Wie schaffen Menschen den Absprung?

Frau Mag. Schiesser wies mich darauf hin, dass es meist ein Erlebnis innerhalb der Blase gibt, welches das Fass zum Überlaufen bringt. Etwas, das nicht mehr ignoriert werden kann, das gegen den moralischen Kompass geht.

Obwohl ich nie (?) Teil einer Sekte war, habe ich all das erlebt.
Das Bedürfnis zu Verstehen.
Einen schürzenjagenden Meister.
Zustände innerhalb eines Systems, die nicht Ordnung sind, aber eben nicht schlimm genug sind.

In der Philosophie gibt’s das slippery slope argument,  schlecht übersetzt mit dem Argument der schiefen Ebene:  Man geht auf diese schiefe Ebene, die slippery slope, rutscht aus und rutscht langsam weiter an Orte, die man sich vorher nicht vorstellen konnte.

Wir alle haben, was es braucht um auf schlechte Weltanschauungen reinzufallen. Es braucht nicht viel und wir rutschen die slippery slope hinunter. Voll rein.

Dazu empfiehlt mir Frau Mag. Schiesser einen Film: Kumaré. A real story about a false prophet.
Den schau ich mir mal an.

#Sekten #Glaube #Theologie #Performance #Fake #Fakenews #Wahrheit #workinprogress #dasundenkbaretun #versuchskultur #kumare #prophet

Mein neues Projekt: #FAKE

Ich arbeite seit über einem Jahr an #FAKE und es wird mit jedem Tag aktueller. Letzte Woche beutelten uns drei große, zum Teil schreckliche Ereignisse.

Am Montag zieht ein junger Mann mit einem Gewehr durch die Wiener Innenstadt und schiesst wahllos auf Menschen.
Am Dienstag geht Österreich in einen Lockdown.
Am Mittwoch erklärt der amtierende Präsident der USA willkürlich seinen Wahlsieg und fordert einen Stopp der Zählung der Wählerstimmen.

Im Kern liegt allen eine Sache zugrunde: Glaube. Eine tiefe Überzeugung von… etwas.

Dieser Glaube lässt uns handeln. Manchmal weise, manchmal dumm, manchmal irrsinnig, manchmal verletzend.

Glaube lässt einen jungen Menschen töten, ein Glaube schickt uns in einen Lockdown, den ein anderer Glaube notwendig macht und im dritten Fall glaubt einer, dass alles fake ist. Der spannendste Glaube von allen.

Mich interessiert nicht, welcher Glaube richtig oder falsch ist. Mich interessiert:

Wie entsteht Glaube?
Wie kann Glaube erzeugt werden?
Wie kann Glaube aufgegeben werden?

Wir glauben an so viel aus vollem Herzen. An unseren Erfolg, unseren Misserfolg, unseren Wert, unsere Wertlosigkeit, an eine Marke, eine Partei, das Gute oder das Schlechte im Menschen.

Wenn wir selbst oder jemand diesen Glauben in Frage stellen, reagieren wir selten erfreut oder offen. Öfters sind wir angepisst. Unseren Glauben verlieren wir ebenso ungern wie Geld oder das Leben.

Doch was wäre, wenn wir mit unserem Glauben nicht verheiratet wären. Wenn wir mit unserem Glauben in einer offenen Beziehung wären. Wenn wir trotz unseres Glaubens frei wären. Nicht frei von ihm, sondern frei mit und frei für.

Frei mit unseren Perspektiven für andere Perspektiven.

Das reizt mich.

Wie wäre ein Erlebnis, das uns glauben lässt und uns dann frei davon macht. Ein Erlebnis, dass uns eine Glaubenserfahrung üben lässt. Im Theater, einem Fitnessstudio für Glauben. Wir trainieren eine Glaubenshantel und legen sie danach wieder zurück.

In einem Erlebnis, das total fake ist.

Daran arbeite ich gerade.

P.S.: Ich verwende den Begriff Glaube sehr frei. Unter Glaube verstehe ich: Die Verknüpfung von mindestens zwei Ereignissen, die nicht notwendigerweise so verknüpft werden müssen.

Ich sehe eine schwarze Katze. Ein Klavier fällt auf meinen Fuß.

Oder: Ich dusche kalt am Morgen. Ich bin nicht verkühlt.

Schwarzes Loch.

Manchmal schaut die Welt wie ein schwarzes Loch aus…

Heute hörte ich am Weg ins Büro diesen Podcast über Menschenhandel. Er hat mich zu Tränen gerührt – sowohl das Leid als auch die Hoffnung. Viel Emotionen für eine U-Bahnfahrt…

 https://podcast.app/hidden-in-plain-sight-one-mans-fight-to-end-human-trafficking-and-bring-light-to-the-darkest-side-of-humanity-e87225768/?utm_source=ios&utm_medium=share

Ich unterstütze jedes Jahr ein Projekt oder eine Sache. In diesem Jahr ist mir etwas dazwischen gekommen und mein Blick war auf mich und meine kleine Familie gerichtet.

Letztes Jahr war ich im Gefängnis und hab mit den Insassen ge-workshopped. Das war SEHR spannend.

Ich freue mich über Ideen…

#guteprojekte 

Buch.

Ich schreibe ein Buch. Im letzten Jahr habe ich begonnen Vorträge zu halten zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Das Buch dazu steht schon lange an. Doch der Alltag ist ein Hund, lässt er einem doch selten Zeit für die Dinge des Herzens.

Doch der Gott, an den ich nicht glaube, sagte: Ich schicke die Welt in einen Lockdown, leere deinen Terminkalender mein Sohn, damit du dein Buch schreiben kannst.

-Wirklich? Ein Buchstipendium würde auch reichen.

Nein, ganz oder gar nicht. Aber nutze die Zeit, Noah hat damals kein Wort geschrieben.

-Ok, aber du hast auch den Markt gewissermaßen ersäuft… Ich darf doch du sagen?

Für dich, Ungläubiger, Herr Gott.

– Easy, Tiger.

No pressure. Worüber schreibe ich? The Art of Versuchskultur. Wie kultiviert man einen Zustand, in dem man gerne Dinge ausprobiert, in dem man mit Freude neue Wege gehen kann, ein Zustand der Fehler und Niederlagen integriert und vor allem eines weckt: Wanderlust.

Eine Vorbestellung habe ich schon. Es ist weder meine Mutter noch meine Oma.

Ein verrückter Schweizer will mein Buch. Ich dachte immer, die sind neutral…

#dasundenkbaretun #versuchskultur #justdoit #achtsamkeit  #kultur #schreiben #buch #perspektive #wanderlust #baam #bääm 

Muse-Stunden

 

Gute Nachrichten. In der Recherche für mein Buch bin ich auf dieses Goldstück gestossen.

“Was macht unser Gehirn, wenn wir nichts tun? Wir würden erwarten, dass es auch Pause macht. Aber Gehirnforscher haben Ende der 90er eine überraschende Entdeckung gemacht. Wenn wir schlafen, meditieren oder Tag-träumen, wird im Gehirn ein alternatives Netzwerk aktiv: Es verarbeitet, sortiert und verknüpft. Es ordnet Gespräche, die wir hatten, Erlebnisse, Bilder, die wir gesehen haben – kümmert sich um all die Dinge, die unsere Sinne wie ein riesiger Staubsauger aufsaugen und die meist unbemerkt an unserem Bewusstsein vorbeifliegen, direkt in die Abstellkammern unseres Hirns. Dort verstauben sie, bis dieses alternative Netzwerk sie wieder raus holt und nochmal schaut, was es ist. Manchmal erkennt es auch, dass es woanders hin passt. And this is where the magic happens.

Offene Fragen sind wie verkrampfte Muskeln in unserem Gehirn, die sich nur durch Antworten, durch Lösung entspannen. Natürlich sind es unterschiedliche Fragen, die uns nicht in Ruhe lassen, bis sie gelöst sind. Für manche ist es Welthunger (not me), für andere ist es banaler. Wie schafft es dreifarbige Zahnpaste, so schön regelmäßig dreifarbig zu bleiben, ganz egal, wie man sie aus der Tube drückt?

Geistesblitze. Wir suchen Lösungen auf unsere offenen Fragen und dieses alternative Netzwerk verknüpft im Geistesblitz plötzlich etwas, das vorher noch getrennt war: Wir finden die Lösung. Ja!, Ja!, Jaaah-

Wir haben diesen riesigen Schatz an Wissen, zu dem wir keinen Zugang durch zielgerichtetes Denken haben. Erst wenn wir nichts tun, kommen die Ideen, werden Verbindungen hergestellt.”

Ein Plädoyer für Muse-Stunden. Happy Sunday.

Ungewissheit: DAS•UN•DENKBARE•TUN

Ich telefoniere viel mit Kunden, alles hängt in der Luft – alles ist ungewiss. Ich bin meinen Kunden dankbar, denn die Ratschläge, die ich ihnen geben kann, sind Ratschläge, die ich mir selbst immer wieder in Erinnerung rufen muss.

Diese Ungewissheit braucht zwei Dinge.

Erstens will sie gespürt werden und all die Gefühle, die sie auslöst. Ein Sprichwort sagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber.
Verdrängte Angst ist ein noch schlechterer Ratgeber. Ebenso verdrängte Wut und verdrängte Traurigkeit.

Zweitens. Ungewissheit braucht einen Fokus auf die Freude. Was freut uns in unserem Leben, in unserer Arbeit?
Was bringt uns zum Schwingen?
In der Freude finden wir neuen Wege.

Diese Ungewissheit braucht dringend neue Wege. Die Freude hilft uns sie zu finden.

Drittens. (Es gibt immer drei Dinge.)

Tanzen.

Affen hüpfen, um Stress abzubauen. Sie springen im Rudel, gemeinsam und entspannen sich dabei. Wir könnten hüpfen. Aber wir können auch tanzen.

Meine Frau zieht mich immer wieder vom Laptop weg zum Shake off. Ich danke dem Herrn, an den ich nicht mehr glaube, auf Knien für diese Frau.

Wir haben nicht nur einen Körper, wir sind auch ein Körper. Gemeinsames Hüpfen mag vielleicht außerhalb unserer kulturellen Komfortzone liegen, aber andere körperliche Aktivitäten liegen sicherlich innerhalb dieser Zone. (Die Phantasie wächst mit der Begrenzung des Raumes. Hoffentlich.)

VERSCHOBEN. Fake Work-in-Progress, Galerie Die Schöne

Im Moment leider auf unbestimmte Zeit verschoben.
“And finally, you would dream where you are now. You would dream the dream of living the life that you are actually living today.”

Alan Watts

Ich lade ein zu einem frühen Entwurf eines neuen Erlebnis. Es kann alles geschehen.

Arbeitstitel: FAKE. Inspiriert von Alan Watts.

19:30 Uhr, Galerie Die Schöne (Kuffnergasse 7, 1160 Wien), Sitzplatz Reservierung unter office[at]philippoberlohr[dot]com (Termin, Name und Anzahl der Plätze)