Versuchskultur

Ein Eisbär steht am Rande das Wassers, er schaut abwechselnd ins Wasser rein und mir in die Augen. Vergeblich hält er Ausschau nach Beute im Wasser – gleichzeitig dämmert ihm auf einer tieferen (höheren?) Bewusstseinsebene, dass etwas an seiner Situation zutiefst absurd und falsch ist.
Ach ja, wichtiges Detail: Wir sind im Zoo. Er auf einer Seite des Zaunes, ich auf der anderen. Er schaut mich an und scheint zu fragen: “Was ist da los? Irgendwas stimmt überhaupt nicht…”

Der Zoo ist deprimierend. Die Tiere schauen verwirrt aus dem Gehege und scheinen eines in aller Deutlichkeit zu sagen: Ihr fahrt diese Welt wirklich mit Vollgas an die Wand. Artenschutz hin oder her.

Immerhin, die Kinder haben Spaß. Ich versuche meine trüben Gedanken mit interaktiven Computer Spielen zu vertreiben: Man hört eine Tierstimme und muss sie über einen Bildschirm dem richtigen Tier zu ordnen. 15 Tiere, vom Pottwal bis zur Schneeeule. (Drei E?)

Mich packt der Ehrgeiz. Wie wild drücke ich auf Tiergesichter. Little J, 3 Jahre, drückt auch. Wir beide haben dieselbe geringe Erfolgsquote. Er hat jedoch eindeutig mehr Spaß. “Schau Papa!” Mich ärgert, dass ich Orka Laute einem Papageitaucher zugeordnet habe. Wie konnte ich nur…

Seit ich ein kleiner Bub bin, wurde die Fehlerkultur gut geübt: “Das ist richtig, das ist falsch! Nur nix falsch machen! NIX falsch machen! Wie konntest du das nur falsch machen?!?”
Ich kann mich erinnern mein Unverständnis darüber mit einem vagen “Was ist da los? Irgendwas stimmt überhaupt nicht…” ausgedrückt zu haben.

Ich übe jetzt schon seit einigen Jahren etwas, das ich Versuchskultur nennen: Mich frisch und frei Herausforderungen stellen. Die Herangehensweise ist erstaunlich einfach, die Ergebnisse sind überraschend. Un•Denk•Bar kann man sagen. Und meistens macht es richtig Spaß.
Aber es soll nicht heißen, dass es immer leicht und easy ist. Manchmal ist es auch verdammt mühsam frisch und frei zu sein. Rückfälle in die Fehlerkultur gibt es immer wieder. Schließlich hab ich sie ja auch Jahrzehnte lang einstudiert.

Sven Regner hat schon Recht, wenn er schreibt: “Gewohnheit, die alte Sau, lässt einen nicht im Stich.” (Magical Mystery, 2013).
Oder für alle, die es ein wenig gehobener wollen: “Wir sind, was wir wiederholt tun.” Aristoteles. Wobei die englische Übersetzung es besser trifft: We are what we habitually do.
Wir sind, was wir aus Gewohnheit tun. Rollt auf deutsch aber nicht so leicht von der Zunge.
Vielleicht warten wir deshalb noch auf einen deutsch/österreichischen Bob Dylan. Heißt ja eigentlich auch Robert Zimmermann. Auweh, es hängt alles zusammen: Die Eisbären, Bob Dylan und dreijährige Philosophen.
Es gibt doch einen Gott.

P.S. Ich lese zur Zeit ein spitzen Buch: Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit?
Er schreibt darin von einer Studie, die folgendes besagt: Je mehr Zeit und Energie wir verwenden, um eine Theorie aufzustellen, umso schwieriger ist es, sie aufzugeben. Auch wenn sie falsch ist.
Dabei musste ich an Zoos denken. Und an Schulen. Und an Religionen.

P.P.S. Natürlich leisten Zoos wichtige und wertvolle Arbeit, aber in der beste aller Welten gibt’s keine Zoos.
Nur eine Vermutung.

Prison Blues

Eine Weihnachtsgeschichte.
Ich hab selten das Gesetz gebrochen und bin nur einmal dabei erwischt worden. Bei meiner Schwiegermutter liegt das Beweis Foto. Ich habe in Los Angeles eine rote Ampel überfahren. Anscheinend verstehen wir Ösis das Rechtsabbiegen bei Rot nicht ganz. Ins Gefängnis musste ich dafür allerdings nicht. Noch nicht. Absolute Klarheit gibt es erst bei meiner nächsten Einreise. Direkte Erfahrung mit dem Hefn hab ich also keine…

Kein Wunder also, dass mir vor meinem ersten Weihnachtsauftritt im Gefängnis die Knie so sehr schlotterten, dass Elvis neidisch gewesen wäre. Allerdings ohne Grund. Hier sind nur normale Verbrecher, versicherte mir der Abteilungsbeamte. Die abnormen Rechtsbrecher sind im 5. Bezirk. (3 Gehminuten von unserer Wohnung. Na dann ist ja gut.)
Meine Angst war wirklich unbegründet. Ich verbrachte einen wundervollen Nachmittag mit diesen Männern. Heuer, als ich zum zweiten Mal bei der Weihnachtsfeier spielte, war es ebenso. Ich blieb nach dem Auftritt noch fast 2 Stunden und trank Punsch mit den Gästen, sie erzählten mir von ihrem Leben, von ihren Beziehungen, von ihren Kindern…
Es sind alles erwachsene Männer, die Fehler gemacht haben, dennoch rührt es mich zu Tränen, wenn ich denke, dass sie die Feiertage ohne ihre Lieben verbringen müssen.
Wir wollen viel, aber eines wollen wir alle. Trotz all unserer Fehler mit Respekt behandelt werden. Und das wurden wir an diesem Nachmittag.

Ich bin mir nicht sicher, was Weihnachten für mich ist und worum es wirklich geht. Aber als ich mit diesen Männern in der Turnhalle stand und Kinderpunsch trank, dachte ich: Vielleicht ist das Weihnachten, Kekse essen auf Augenhöhe.

Ich wünsche euch, dass die nächsten Tage vor allem eines sein mögen: Erholsam.
Ich tue mal nix und freu mich drauf.

P.S. Ich habe entschieden, dass 2019 ein richtig gutes Jahr wird. Hab ich gern gemacht.

Over and out.

Ein Abend voller Wunder.

Der Abend ist ein ‘Best-Of’ aus den letzten Jahren, mit ein, zwei neuen Dingen. Ich freu mich auf die nächsten Termine:

04. Jänner Pop Down Hotel Zillertal
25. Jänner Restaurant Führich Wien
21. Februar Restaurant  Führich Wien

Illusionist und Mentalist Philipp Oberlohr spielt, besonders gerne mit seinem Publikum. Er liest Gedanken und weiß Dinge von seinem Publikum, die er unmöglich wissen kann. Er errät Geburtstage, sogar die Namen von längst vergessenen Schulfreunden und mehr.* Klingt unheimlich? Ist es auch. „Genuinely spooky“ (Time Out London).
Mit seinen besonderen Fertigkeiten schafft er ein Erlebnis, das alle Anwesenden einbezieht. Diese unwiederholbare Erfahrung ist jedes mal anders, jedes mal neu, denn: Es geht um Sie.

*Aber keine Sorge, peinliche Geheimnisse werden auf keinen Fall enthüllt. Es sei denn, sie sind sehr lustig.

 

Ein richtig gutes Leben.

Letzte Woche war ich am Wolfgangsee auf einem Seminar mit eben diesem Titel.
Tag eins. Im Zug nach Bad Ischl stelle ich mit Schrecken fest, dass ich mich mit dieser Frage nie sehr intensiv auseinander gesetzt habe. Meist im Vorbeigehen: “Wie geht richtig gutes Leben?… Ja, ich nehme noch einen Kaffee…”

Tag zwei. Ich ertappe mich dabei, dass ich mich frage: Wann kommt denn endlich das Rezept zum richtig guten Leben. Erstens, zweitens, drittens…
Ich bin erleichtert, dass wir keines bekommen.
Wolfgang Stabentheiner, Coach und Begründer der Future Methode, gibt Impulse aber noch viel wichtiger, stellt uns Fragen, lässt uns Antworten finden, immer neue, immer tiefer, Antworten von denen mir nicht bewusst waren, dass sie in mir sind.

Tag drei. Drei Erkenntnisse.
“Nach unten geht es von ganz allein.”
Ein richtig gutes Leben ist manchmal auch sehr mühsam.
Als ich in der Früh meine Yogaübungen mache und durch die Glasfassade auf den sonnenüberfluteten Wolfgangsee schaue Erkenntnis Nummer 3: Ein richtig gutes Leben kann auch wundervoll leicht sein.

P.S. Es freut mich, dass ich mich mit dieser Frage jetzt auseinandersetze. Es ärgert mich, dass mir diese Frage nicht schon vor 5, 10, 15, 20 Jahren begegnet ist.
Es freut mich, dass mir diese Frage nicht erst in 5, 10, 15 oder 20 Jahren begegnen wird.

http://www.future.at

aufstehen

Ich habe eben ein paar Zeilen gelesen, die mich nachdenklich gemacht haben. Oft sind wir auf Autopilot unterwegs, tun Dinge weil wir sie immer so getan haben, weil sie “sich gehören”.
R-E-S-P-E-C-T für diese junge Frau, die folgendes schreibt:

Zufällig habe ich kürzlich mit gleich drei Männern das Gespräch gesucht, nachdem sie mich seltsam/unfair/ übergriffig behandelt haben. Alle drei waren sehr überrascht und sind praktisch aus allen Wolken gefallen, weil sie vorsatzlos „einfach das getan haben, was sie immer schon getan haben“. Einer hat auch gemeint, er wollte einfach nur ein Gentleman sein und verhindern, dass ich schwer tragen muss. Dass ich gesagt habe, dass ein Gentleman mir seine Hilfe anbieten würde, statt mir ungefragt einfach die Arbeit aus der Hand zu reißen mit den Worten „du sicher nicht“, hat ihn dann sichtlich nachdenklich gestimmt.
Unabhängig voneinander haben sich schlussendlich alle drei dafür bedankt, dass ich das direkte Gespräch gesucht habe.
Die Überwindung ist manchmal groß, gerade im geschäftlichen Bereich, aber es ist so wichtig, sich nicht klein zu machen oder still zu ärgern.

Das Fest beginnt.

Ich arbeite an diesem Fest schon seit einiger Zeit. Über einem Jahr schon. Die Zeit vergeht ohne Zutun wie’s scheint.
Im Sommer habe ich immer wieder die Lust dran verloren. Doch in den letzten Wochen habe ich sie wieder gefunden.
Ich hab ein schönes Bild dazu gefunden:

Jetzt kann gefeiert werden. Ich freu mich.

Gehört sich das? FAQ Bregenzerwald

Wir beginnen mit dem  Bild von einem Haus.
Ein Haus mit vielen Räumen, die meisten sind geöffnet, gut zugänglich und schön aufgeräumt. Aber im Keller gibt es ein paar Räume, die gut zugenagelt sind. An der Tür hängt ein Schild: Zutritt gehört sich nicht.
Denn dahinter wütet… Ja was denn?

Aufgewachsen in Tirol, dem Land der unbegrenzten ungeschriebenen Gesetze, ist mir diese Frage ständig begegnet: Gehört sich das?*

Beim FAQ im Bregenzerwald, habe ich einen Beitrag zu dieser Frage entwickelt.
Mit diesem Messer hab ich sie erlebbar gemacht, denn seien wir uns ehrlich, erleben ist immer besser als hören. Und erlebt wurde sie…

Das Ergebnis meiner Suche?
Immer wenn wir voller Überzeugung sagen, das gehört sich (nicht)!, aber keine Gründe nennen können, wird es spannend:
Dann gilt es voller Zuneigung sich selbst zu fragen: Warum? So lange, bis wir uns Antworten geben.
Die Antworten werden oft nicht einfach sein. Sie werden uns zeigen, wo wir Angst vor dem Neuen, Anderen und Unbekannten haben.
Manchmal auch dem Anderen und Unbekannten in uns.
Mir ist nicht 100%ig klar, was ich damit meine, aber es fühlt sich richtig an. So, als gehöre es sich.

*Ich bin versucht zu definieren, worauf ich diese Frage beziehe. Das lass ich gleich wieder. Ich bin ja kein Wissenschaftler. Ich bin Ex-Theologe.

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P.S. Autokorrekt macht aus Bregenzerwald Bregenzurwald. Hat sich da jemand einen Scherz erlaubt?

Wie entsteht Neues. Über die Galerie Die Schöne.

Im Film Lincoln wird die Abschaffung der Sklaverei diskutiert. Ein Mann (alt, wohlhabend, kein Sklave) findet die Idee lächerlich und sagt: „Angenommen wir schaffen die Sklaverei ab – was kommt als nächstes: Das Frauenwahlrecht?“
Die Abschaffung der Sklaverei war für ihn eine dumme Idee, aber immerhin vorstellbar, das Frauenwahlrecht jedoch völlig absurd. So sehr ich über diese Vorstellung lachen kann, ich bin mir bewusst, dass ich ähnlich beschränkte Ansichten habe. Vielleicht nicht über Sklaven oder Frauen, aber…
Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, was diese sind. Meine Ansichten fühlen sich nicht beschränkt an. Aber ich weiß, dass sie es sind und in spätestens 170 Jahren lächerlich sein werden. Über die Grenzen des eigenen Denkens kann man nur schwer hinausdenken.

In der Zwischenzeit kann ich abschreiben. Ich schau mich um, in allen möglichen Sparten in der Hoffnung, dass ich etwas finde, das mir den Teppich unter den Füßen wegzieht – das mir Alltägliches in einem völlig neuen Licht zeigt. Wenn ich genug Material gefunden habe, wird abgeschrieben. In meiner letzten Show u.a. bei Gary Kurtz, Pema Chödrön, David Fincher und Henry Moore. Mit dem Ziel, dass sie ihre eigenen Arbeiten nicht wiedererkennen und ich anderen Menschen den Teppich unter den Füßen wegziehe.

Das Wichtigste aber ist ein Ort, der mir erlaubt Dinge auszuprobieren, der mich ermutigt über das sogenannte „tried and tested“ hinauszugehen zu dem Unversuchten, ohne Zwang, dass es funktionieren muss. In dieser Welt muss ohnehin viel zu viel immer funktionieren.
Im besten Fall findet man einen schönen Ort, der einen sein lässt. In meinem Fall eine schöne Galerie.

Auch in meiner neuen Show werden verschiedene Konzepte kombiniert. Ob mit Erfolg, wird sich noch zeigen. Im besten Fall schaue ich auf meine letzte Show zurück und lache über meine beschränkte Perspektive, oder freue mich darüber, dass meine Sklaven endlich frei sind und meine innere Frau nun wählen darf.

Für alle, die gern ein Rezept haben:

There are two secrets for doing something new.
1. Start

2. Don’t stop“
Charlie Gillingham

Ein Abend voller Wunder.

Illusionist, Mentalist und Ex-Wunderknabe Oberlohr lädt auf seine Work in Progress Spielwiese ein: An 5 Abenden mischt er Brandneues mit Ur-altem auf der Suche nach dem Wunder, das einem die Socken auszieht. Im übertragenen Sinne. Im Marmorsaal vom Luftschloss bleiben die Socken an. Ausnahmslos.
Soviel wird verraten: Gedanken werden gelesen.

“An diesem Abend will ich mich gut unterhalten. Ich zeige Dinge, die ich sehr gern zeige und Dinge, die ich noch nie gezeigt habe. Es wird leicht. Und unernst. Und nicht Kinder-unfreundlich.”

20:00 Uhr Luftschloss am Cobenzl
14. Juni | 19. Juli | 30. August | 20. September

Veranstaltung findet im Rahmen des Spritzwein Donnerstag (gebührenpflichtig!) statt. Eintritt zum wundervollen Abend ist dann aber frei.

Spenden sind möglich und unterstützen die NGO Sezonieri, Rundum (Werkstatt für Entschleunigung des Urbanen Raums) und die neue Produktion Das Fest.

Nachtrag. Der erste wundervolle Abend ist getan. Es geht weiter. Diesmal mit einem spannenden neuen Element. Arbeitstitel: I Believe.
Was macht Glaube (un)möglich?